Moritz Eggenberger bleibt optimistisch.
03.07.2025 08:00
Keiner will bisher in den Steckborner Stadtrat
In Steckborn wird ein neuer Stadtrat, eine neue Stadträtin gesucht - Bisher noch keine Kandidatur
Für die Ersatzwahl in den Stadtrat Steckborn am 17. August ist kein einziger offizieller Wahlvorschlag eingegangen. Das ist im Kanton Thurgau ein ausgesprochen seltenes Ereignis. Stadtpräsident Moritz Eggenberger bleibt dennoch optimistisch – trotz der schwierigen Vorgeschichte.
Steckborn In Steckborn bleibt der Wahlzettel leer. Für die Ersatzwahl eines Stadtratsmitglieds, die am 17. August 2025 stattfindet, ist bis zum Ende der offiziellen Frist am 23. Juni keine einzige Kandidatur eingegangen. Ein solches Szenario ist im Kanton Thurgau ausgesprochen selten. Zwar kommt es immer wieder vor, dass Wahlen still verlaufen, also ohne Konkurrenzkandidaturen. Doch dass sich gar niemand meldet, ist bemerkenswert – insbesondere in einer Stadt wie Steckborn. Dennoch wird die Wahl wie geplant durchgeführt. Wählbar ist jede in Steckborn wohnhafte, volljährige, stimmberechtigte Person mit Schweizer Staatsbürgerschaft. Auch ohne offizielle Kandidatennamen dürfenWählerinnenundWählerden Namen einer beliebigen geeigneten Person handschriftlich auf den Wahlzettel setzen. Wer im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreicht, ist gewählt. Kommt das nicht zustande,findetam7.September ein zweiter Wahlgang statt, bei dem die einfache Mehrheit entscheidet. Stadtpräsident unbesorgt Trotz der auffälligen Leerstelle zeigt sich Stadtpräsident Moritz Eggenberger zuversichtlich. «Ich bin nach wie vor guter Dinge, dass wir einen oder eine gute neue Stadträtin finden werden, auch wenn kein Wahlvorschlag eingegangen ist. Interesse ist vorhanden und ich denke, der oder die eine wird sich zur Verfügung stellen», so Eggenberger auf Anfrage. Offenbar gibt es im Hintergrund durchaus Gespräche mit potenziellen Interessierten, die sich eine Kandidatur vorstellen könnten, bisher aber gezögert haben, diese offiziell einzureichen.
Fälle sehr selten
Thomas Niederberger ist der Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden: «Ich bedaure, dass sich für den freien Sitz im Stadtrat Steckborn innert der Frist keine KandidatinoderkeinKandidatbeworbenhat. Die Arbeit in der Exekutive ist spannend und die Entwicklung einer Gemeinde kann aktiv mitgestaltet werden. Es handelt sich jedoch um Einzelfälle, und die freien Sitze könnenimerstenoderinweiterenWahlgängen dann trotzdem besetzt werden.» Thomas Niederberger kommen nur zwei ähnliche Beispiele in den Sinn: «Bei den Ersatzwahl eines Gemeinderates in Lengwil vor drei Jahren meldete sich ebenfalls kein Kandidat. So auch bei den Ersatzwahlen des Gemeindepräsidium im Märstetten vor wenigen Monaten.» Dort habensichkurznachAblaufderFrist aber doch noch zwei Kandidierende gemeldet. Die Gründe für die ungewöhnliche Situation könnten auch in der jüngeren Vergangenheit der Steckborner Stadtpolitik liegen. Im Jahr 2024 sorgte der damalige Stadtpräsident Roland Toleti mit seinem Rücktritt für Schlagzeilen. Nach internen Spannungen und dem öffentlich erhobenenVorwurfeines illoyalenund undemokratischen Umgangs innerhalb des Stadtrats legte Toleti sein Amt nieder. Der Rücktritt wurde mit «unüberbrückbaren Differenzen» begründet. Die Auseinandersetzungen waren deutlich spürbar, der Stadtrat wehrte sich gegen die Vorwürfe, der Ton war scharf – und das Vertrauen zwischen Gremium und Öffentlichkeit bekam Risse. Spekulation: Möglicherweise wirkt diese Vorgeschichte bis heute nach. Wer sich zur Wahl stellt, übernimmt nicht nur Verantwortung, sondern begibt sich auch in ein politisches Umfeld, das zuletzt als konfliktbeladen wahrgenommen wurde. Das könnte abschrecken – und erklären, warum sich bislang niemand öffentlich zur Verfügung gestellt hat. Chance ergreifen Gleichzeitigbietetdie Situationauch eine Chance: Die Möglichkeit, jemanden zu wählen, der oder die nicht aus parteipolitischen Reihen stammt, sondern aus dem zivilgesellschaftlichen Umfeld – aus dem Quartier, dem Verein, dem Alltag heraus. In dieser Offenheit liegt ein demokratisches Potenzial. Wer sich angesprochen fühlt, kann gewählt werden – ohne Plakat, ohne Kampagne, einfach durch Vertrauen. Ob dieser Vertrauensvorschuss gelingt, wird sich am 17. August zeigen. Steckborn hat die Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Jetzt braucht es nur noch jemanden, der bereit ist, sie mitzugestalten. Stadtpräsident Moritz Eggenberger bleibt trotz leerem Stimmzettel entspannt.
Von Desirée Müller