11.07.2025 08:00
Von der Trockenübung zur Showpyramide - 50 Jahre Wasserski
Wasseskiakobatik auf höchstem Niveau: Den Verein gibt es bereits seit einem halben Jahrhundert und der Nachwuchs ist gegeben
Der Wasserski Akrobatik Club Untersee bietet seit 50 Jahren Sport, Show und Gemeinschaft auf dem Wasser. Der Verein fördert Nachwuchs, trainiert spektakuläre Formationen und schafft eine lebendige Vereinskultur wie am Friendsday sichtbar wird, an dem auch Neulinge ihre ersten Runden auf dem See drehen können.
Berlingen Das Boot schneidet durchs Wasser, zieht eine elegante Spur hinter sich her. Gischt spritzt auf, Sonnenlicht tanzt auf der Oberfläche des Sees. Hinter dem Boot: ein junger Anfänger, aufrecht auf den Skiern, mit konzentriertem Blick. Eine Runde. Kein Sturz. Applaus auf der Badeplattform. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind beeindruckt – zu Recht: Es ist sein allererster Versuch. Es ist Friendsday beim Wasserski Akrobatik Club Untersee WACU. Ein Tag, an dem Freunde und Angehörige der Vereinsmitglieder die Möglichkeit haben, selbst zu erleben, was ihre Liebsten mit solcher Leidenschaft betreiben. Zu sehen, zu staunen – und auszuprobieren. Beni, einer der erfahrenen Bootsführer, bringt die Gäste mit dem Boot auf die Plattform. Eine sonnige Insel mitten im Wasser, die zum Herzstück des Geschehens wird. Einige schwimmen sogar in ihren Neoprenanzügen vom Ufer aus rüber, so gross ist die Vorfreude. Auf dem Boden der Plattform liegen Wasserskier in allen Formen, Farben und Materialien. Besonders auffällig: einige breite, holzfarbene Modelle. Keine Relikte, sondern speziell angefertigte Skier, perfekt für akrobatische Einlagen. Martina, Vorstandsmitglied beim Verein, beobachtet das Gewusel auf der Plattform. Etwas abseits macht ein Jugendlicher gemeinsam mit Trainierin Sandra Trockenübungen. Er probiert Schritt für Schritt aus, wie man im Wasser aufsteht – mit Geduld, Ausdauer und spürbarer Vorfreude. Immer wieder. Dann geht es los: Der erste echte Versuch – und er bleibt oben. Eine ganze Runde lang. Die Begeisterung ist gross. «Das kann wirklich jede und jeder», sagt Showteam-Mitglied Martina Dübendorfer.
Akrobatik auf dem Wasser
Die hohe Kunst beginnt dort, wo die Grundlagen sitzen: beim Showteam. Ihre akrobatischen Nummern sind spektakulär – sie werden für Events gebucht und bringen Staunen ans Ufer. Etwa, wenn sich auf dem Wasser eine menschliche Pyramide erhebt: kräftige Skifahrerinnen und Skifahrer als Fundament, darauf leichtfüssige Mitglieder, die auf den Schultern balancieren – auf Wasserskiern, wohlgemerkt. Oder wenn auf einer runden Platte (im Club Teller genannt) gefahren wird, die scheinbar schwerelos über die Wellen gleitet. Ob da nicht die Angst vor Fehlern gross ist? «Nein, überhaupt nicht», sagt Martina. «Wenn etwas schiefläuft, lassen einfach alle los. Dann drehen wir das Boot und starten nochmal. Wir schauen einfach, dass es allen gut geht. Natürlich versuchen wir, jede Nummer zu zeigen aber wir ärgern uns nicht, wenn etwas nicht klappt.»
Ein Verein mit Herz
Was beim WACU sofort auffällt: die familiäre Atmosphäre. Viele Vereinsmitglieder sind Eltern, viele Kinder wiederum folgen den Spuren von Mama oder Papa. Wie der kleine Tamo, gerade mal vier Jahre alt – seine Mutter und sein Vater fahren beide Wasserski, genauso wie der grössere Bruder Finn. Und Tamo? Der fährt schon begeistert mit seiner Mama mit. «Das ist bei uns ganz oft so», sagt Martina. «Die Kinder wachsen da rein, ganz selbstverständlich. Und wir freuen uns über jede neue Generation.»
50-jährige Geschichte
Damit das auch in Zukunft so bleibt, gibt es ein eigenes Jugendtraining. Für nur 50 Franken im Jahr können Kinder und Jugendliche jeden zweiten Samstag trainieren – mit dem Ziel, irgendwann selbst Teil des Vereins zu werden. Ob gross, klein, kräftig gebaut oder zierlich – jede Statur findet ihren Platz. In einer Pyramide braucht es genauso die Starken unten wie die Leichten oben.
Der WACU feierte letztes Jahr 50-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er, nachdem Schweizer Wasserskibegeisterte in Florida eine Show gesehen hatten – und die Faszination mit nach Hause brachten. Heute ist der Verein gewachsen, vielfältiger denn je, und nach wie vor offen für alle, die das Wasser lieben.
Desirée Müller